Stadtkapelle Buchen

Zum alljährlichen Frühlingskonzert hatte die Stadtkapelle Buchen eingeladen - und die Stadthalle konnte den Besucherstrom kaum aufnehmen. Nicht nur viele Angehörige der vielen Mitwirkenden, sondern auch Menschen, die vom guten Ruf der Institution angelockt worden waren, formierten sich zu einem erwartungsfrohen Publikum.

Mehr als eine Vorgruppe bildete im ersten Programmblock die Jugendkapelle Buchen. Durch die enge Verzahnung mit der Joseph-Martin-Kraus-Musikschule gelingt es in Buchen permanent, junge Musiker auszubilden, die ihren Weg durch die Jugendkapelle zur Stadtkapelle nehmen.

Mit "Fanfare and Triumph" von James Swearingen wurde passend begonnen. Sofort wurde dabei klar, wie effektiv Robert Dreksler das Ensemble zu führen weiß: Jederzeit klar aufgenommene Tempowechsel und feine dynamische Abstufungen waren selbstverständlich.

Auf die Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Christian Schulze folgte mit "Big Band Superhits" von Paul Murtha eine dreiteilige Hommage an große Standards aus der Blütezeit des Swing, während mit "Call me maybe" das Arrangement eines aktuellen Popsongs in die Gegenwart zurückführte.

Michael Jacksons Hymne "We are the world", die dieses Jahr ihren 30. Geburtstag erlebt, bewies auch im Arrangement von Larry Norred und mit einer geheimnisvollen Introduktion versehen, ihre unverminderte Zugkraft. Die jungen Leute meisterten all diese Herausforderungen mit spürbarer Freude und erstaunlicher Sicherheit.

Das von Julia Nagy souverän moderierte Programm wurde ohne großen Umbau durch die Stadtkapelle fortgesetzt. Wer geglaubt hatte, dass nun vor allem bejahrte Herrschaften auf der Bühne Platz nehmen würden, wurde eines anderen belehrt: Das Ensemble hat einen unglaublich niedrigen Altersschnitt, Alt und Jung wirken ausgesprochen harmonisch zusammen.

Ein Potpourri aus Richard Wagners "Tannhäuser" bildete, gewissermaßen als Verneigung vor dem großen 19. Jahrhundert, den Beginn.

Alexander Monsch verstand es, die großen melodischen Bögen spannungsvoll zu gestalten, die heikle Intonation der anspruchsvollen Wagnerschen Harmonik gelang fast makellos.

Ein kleines "Solo-Konzert" schloss sich mit James Curnows "Rhapsody for Euphonium and Concert Band" an. Der junge Solist Simon Stewner beglückte dabei mit dem warmen und flexiblen Ton seines Bariton-Instruments, hohe Klangkultur und sichere Virtuosität ließen das Stück zum Erlebnis werden.

Mit Steven Reinekes "Goddess of Fire" lernte man ein fesselndes Stück Musik kennen. Viele ungewöhnliche Klangeffekte, bis hin zu einer Art "Knistern mit den Fingern", dazu ein umfangreicher Schlagzeug-Apparat, bildeten eine ungemein farbige Umsetzung der Vulkan-Thematik. Alle Instrumentengruppen waren hierbei an der Erzeugung eines großen Klangteppichs beteiligt.

Nach der Pause begann eine musikalische Wanderschaft durch nicht weniger als fünf Regionen der Welt. Spanien, Deutschland, der Balkan, Kuba sowie die traurigerweise nur noch imaginäre Heimat der Kleszmer-Musik waren die Stationen.

In Santiago Lopes "Gallito" wurde Stierkampf-Atmosphäre lebendig. Hermann Pallhubers "The new King’s Dances" wirkte dagegen etwas altbacken: Die Darstellung eines Memminger Heimatfestes geriet eher zur biederen Verherrlichung der allfälligen Vorkommnisse als zur auch denkbaren Satire.

Positiv hob sich davon die metrische Vielfalt in Alfred Bösendorfers der Balkanmusik gewidmeten Tanzfolge "Paidushko" ab; die hierzulande ungewohnten, vertrackten Fünfertakte gelangen der Kapelle bravourös, der geflossene Probenschweiß schien ganz vergessen.

Karibische Lebenslust strahlten Robert Sheldons "Danzas cubanas" aus. Neben den stilechten Conga-Klängen trugen dazu auch die beiden ausgelassenen Bläsersoli der Posaune (Michael Henn) und der Trompete (Christoph Schmelcher) bei.

Den Abschluss des Programms bildete die Filmmusik (Vladimir Cosma) zu "Die Abenteuer des Rabbi Jacob", bei der Lisa Kohlmanns Klarinette und Anika Berberichs Posaune die Welt des Kleszmer wirkungsvoll zu beschwören halfen. Drei weitere, allesamt kompetente Solistinnen waren im Lauf des Abends mehrmals vorbeigezogen: Maria Gimeno Regal (Oboe), Carina Scholz (Querflöte) sowie Julia Nagy (Piccoloflöte). Ein letzter, überraschender Solist betrat bei der Zugabe die Bühne: Der entfesselte Christian Glau schwang die E-Gitarre bei einem "Deep Purple"-Medley und setzte damit einen unerwarteten und begeistert aufgenommenen Akzent. Die Dankesworte Bürgermeister Roland Burgers fassten zusammen, was Konsens war: Die Buchener haben mit eigenen Kräften eine kulturelle Glanzleistung vollbracht, die noch lange nachklingen wird.

Buchen. Von Christof Roos