Stadtkapelle Buchen

Swingend in die helle Jahreszeit gestartetStadtkapelle wurde für ihr mitreißendes Frühlingskonzert mit stehenden Ovationen belohnt - Musikalische Weltreise im 125. Jahr

Alle, die am Samstagabend oder - wie etliche der Musikerinnen und Musiker - auch erst am frühen Sonntagmorgen die Stadthalle Buchen verließen, erwarteten Minustemperaturen. Ein krasser Kontrapunkt zum Konzert der Stadtkapelle, das dem Namen nach doch eigentlich den Frühling einläuten sollte. Was, soviel seivorweggenommen, absolut gelungen ist: Die musikalischen Leistungen der rund 130 Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle, Jugendkapelle und ABC-Band standen definitiv nicht für Winterpause und Stillstand, sondern ganz eindeutig für Wachsen und Gedeihen.

Ein Gedeihen im nun schon 125. Jahr; 2018 darf nämlich Jubiläum gefeiert werden. Und so markierte das Frühlingskonzert auch den Beginn einer kleinen Reihe von Festveranstaltungen. Darauf wies Christian Schulze in seiner Begrüßung hin. Der Vorsitzende freute sich insbesondere über den Eifer und Fleiß des Nachwuchses das ganze Jahr über, die damit belohnt wurden, dass die ABC-Band unter Leitung von Lisa Kohlmann das Konzert mit der "Afrika-Suite" von Eric J. Hovi eröffnen und die Jugendkapelle, ebenfalls mit Lisa Kohlmann, direkt im Anschluss eine Kostprobe ihres Könnens mit der "Phoenix Overture" von Benjamin Yeo geben durfte.

Damit stieg dann auch Julia Nagy, selbst Musikerin in der Stadtkapelle, in die Moderation ein. Kurzweilig und charmant erlaubte sie den Gästen dabei hin und wieder einen Blick hinter die Kulissen des Probenalltags mit Sätzen wie - O-Ton Dirigent Alexander Monsch - "Mozart ist ziemlich kein Beethoven".

Aber bevor diese beiden großen Komponisten zu ihrem Recht kamen, durfte die Jugendkapelle den Gästen in der beinahe ausverkauften Stadthalle das Ereignis der ersten Mondlandung 1969 einschließlich Countdown vor dem inneren Auge erscheinen lassen mit "Apollo 11" von Otto M. Schwarz.

Deutlich "gechillter" dann "Highlights from the jungle book" mit den weltberühmten Melodien von Balu dem Bär, Mogli und Co. Mit der Zugabe "Aztec- Fire" von Jay Bocook entführte die Jugendkapelle die Gäste mitreißend und temperamentvoll ins ferne Mexico, bevor es dann tatsächlich mit der "Egmont Ouverture, op. 84" von Ludwig van Beethoven klassisch wurde.

Einmal mehr zauberten die rund 80 Musikerinnen und Musiker eine unglaublich beeindruckende Klangfülle in die Stadthalle, die den opulenten sinfonischen Charakter der Ouvertüre unterstrich.

Dass Wolfgang Amadeus Mozart das Horn liebte, wird in seinen eigens für dieses Instrument komponierten Konzerten deutlich. Auch Florian Leitz liebt das Horn und seine riesige Begabung dafür ließ Dirigent Monsch "in den Proben fast überschnappen vor Begeisterung". Was dem jungen Musiker große, höchst anspruchsvolle und bewundernswert gemeisterte Solopartien in Mozarts "Hornkonzert Nr. 3" einbrachte und dem Publikum einen ganz besonderen, an vergangene Jagdgesellschaften erinnernden Musikgenuss bescherte.

Nach der Gratulation durch den Vorsitzenden des Fördervereins, Landrat Dr. Achim Brötel und der Pause wurde es im Anschluss an einen schwungvollen Marsch aus der Jazz-Suite No. 2 von Dimitri Schostakowitsch futuristisch. "Hymn to the sun - with the beat of mother earth" des Japaners Satoshi Yagisawa war still, mit seinen zarten Sphärenklängen fast lieblich, aber auch wild, schrill und beinahe bedrohlich. Um die besondere Wirkung zu unterstreichen, setzten die Musikerinnen und Musiker auch ihre Stimmen ein - ein ungewöhnliches Stück, das sehr gut ankam.

Ebenso wie "Mont Blanc (La voie royale)" von Otto M. Schwarz, das musikalisch die Geschichte von Bergsteigern erzählt, die den Mont Blanc besteigen - Schneesturm, Steinlawinen, Vogelgezwitscher und Windrauschen inklusive, bevor sie endlich mit dem "königlichen Blick" belohnt werden.

Franco Cesarini schließlich transportierte mit seinen "Old russian romances" sowohl temporeiche heitere als auch langsame melancholische Melodien - typisch russische Folkloremusik eben, die eine Herausforderung für die Kapelle und eine Freude für die Gäste war.

Mit der ersten Zugabe wurde die Weltreise ins ferne Afrika fortgesetzt, wobei hier insbesondere die sieben Percussionisten der Kapelle glänzen durften. Mit "In the mood", weltberühmt durch Glenn Miller, belohnte die Stadtkapelle endgültig abschließend die stehenden Ovationen des Publikums und beendete ein mitreißendes Konzert im swingenden Bigband-Sound.

Veröffentlicht in der Rhein-Neckar-Zeitung, 26.03.2018